Freiwasserschwimmen

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Freiwasserschwimmen

Ich darf mich kurz vorstellen, mein Name ist Rüdiger Jochum, Triathlet seit 1985 und seither natürlich auch regelmäßig zum Training im Freiwasser. In meiner neuen Heimat habe ich das Glück, dass die Ruhr durch meinen Wohnort fließt und am Ortsende durch ein Wehr aufgestaut ist. Für‘s Schwimmen in freiem Wasser somit perfekte Verhältnisse.
Nun hätte ich mir jedoch nie vorgestellt, dass ich diese perfekten Verhältnisse jemals in einem Zeitraum nutzen muss, der außerhalb der Monate Mai bis September liegt. Mitte März 2020 ging unser Hallenbad in den Lockdown – und meine Befürchtung, dass dies sich wohl über einen langen Zeitraum hinziehen könnte – wurde leider zur Realität.

Neue Routinen trotz fallender Temperaturen

Deshalb schwimme ich seit dem 02. April 2020 regelmäßig 2 x pro Woche in meiner wunderbaren Ruhr, meistens mit 1-2 Trainingskumpels unter Wahrung der Abstandsregeln, im Notfall jedoch auch allein. Worüber ich nun berichten möchte ist mein persönlicher Umgang mit sehr kaltem Wasser, denn ich als wirklich erfahrener Triathlet und Freiwasserschwimmer hatte hiervon nicht die Spur einer Vorstellung.
Vorteilhaft ist es, wenn du als Schwimmer das Freiwasser bei fallender Wassertemperatur begleitest. Im Sommer konnte man problemlos auch ohne Neoprenanzug schwimmen, irgendwann Ende August ist diese Zeit dann vorbei, die Wassertemperatur sinkt aufgrund von kälteren Nächten und kürzeren Sonnenphasen langsam, aber sicher ab. Ab Unterschreiten von 15 Grad habe ich mit Neoprenhaube und Neoprensocken dagegen gehalten, was einen erstaunlichen Effekt hat. Nur leider bleibt die Wassertemperatur nicht sehr lange auf diesem Niveau.
Unter 12 Grad kamen dann auch noch Neopren-Handschuhe dazu. Und wieder befand ich mich für eine weitere Phase sinkender Temperaturen in der Komfortzone. Unter 10 Grad habe ich mit einer Unterzieh-Neoprenweste aufgerüstet. Mittlerweile, bzw. seit ca. Mitte Dezember, ist die Ruhr bei einer Temperatur zwischen 4 und 5 Grad angelangt, aber meine Ausrüstung erlaubt mir immer noch Schwimmeinheiten zwischen 30 und 40 Minuten.

Im Herbst oder in der winterlichen Saison ist es aus Sicherheitsgründen sehr ratsam gemeinsam mit Schwimm-Kollegen ins kühle Nass zu gehen.

Die ersten Erfahrungen und die richtige „Danach-Vorbereitung“

Ich hatte erwartet, dass sehr kaltes Wasser den Körper auskühlt, aber genau das ist nicht der Fall. Du wirst vermutlich bei Nachahmung folgende Erfahrungen machen: Du fürchtest dich vor der Wasserberührung - durch das ganze Material nimmst du das aber fast nicht wahr. Kritisch sind beim Losschwimmen die ersten 1-2 Minuten, denn dein Gesicht wird als Folge der Kälte brennen. Hier arbeite ich seit geraumer Zeit bereits vor, indem ich mich hüfthoch ins Wasser stelle und mehrmals mein Gesicht für ein paar Sekunden ins Wasser halte. Nach dem Losschwimmen ist dann der Reiz, anzuhalten oder in Rückenlage zu wechseln, fast nicht mehr vorhanden. Bei zunehmender Dauer kriecht dir dann irgendwann die Kälte in die Finger und Zehen. Meiner Ansicht nach macht es Sinn, das Schwimmen dann nicht sofort abzubrechen, sondern diesen Reiz ein wenig wirken zu lassen. Auf keinen Fall solltest du es aber übertreiben. So kann man langsam eine Art Resistenz schaffen. Beim Verlassen des Wassers wirst du zu Anfang ein paar kleinere Probleme mit deinem Gleichgewicht und mit deiner Sprache haben, falls die Störungen des Gleichgewichts zu stark sind helfen hier ein paar Ohrstöpsel.

Kritisch wird dann wieder das Umziehen – schnellstmöglich raus aus dem ganzen nassen Neoprenzeug (wie Schwimmkappen und Schwimmsocken), was aber trotzdem noch warm hält – abtrocknen und rein in trockene, locker fallende Sachen inklusive Parka, Mütze, Handschuhen, gefütterten Stiefeln. Dies bereite ich mir immer schon vor dem Schwimmen generalstabsmäßig im Kofferraum des Autos vor, um hier bloß keine Zeit zu verlieren. Tatsächlich werden diese 2-3 Minuten vermutlich zum meistgehassten Zeitraum deiner Freiwassereinheiten. Nach dem Umziehen macht es Sinn sich ein wenig locker trabend zu bewegen, alles kommt dann doch sehr schnell wieder auf Betriebstemperatur.

Den Genuss des kühlen, den Körper umschließenden Wassers ist für viele Indoor-Schwimmer eine ganz neue Erfahrung.

Rantasten, eintauchen und unbesiegbar fühlen

Nach einer solchen Einheit wirst du dich unbesiegbar fühlen – verliere aber bitte niemals den Respekt vor den Bedingungen. Führe aus Sicherheitsgründen eine Boje mit, mache dich mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut, schwimme nach Möglichkeit in kleiner Gruppe (somit besteht auch eine bessere Chance, dass die Krokodile nicht dich aussuchen) und steigere deine Schwimmeinheiten ganz allmählich.

Habt viel Spaß beim Freiwasserschwimmen, was übrigens in jedem natürlichen Gewässer grundsätzlich erlaubt und in jedem künstlichen Gewässer grundsätzlich verboten ist – es sein denn durch Beschilderung wird örtlich anders verfügt.

Bleibt gesund!

Viele Grüße,
Rüdiger

12. März 2021
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