Training während Corona: Wie halte ich Motivation und Spaß hoch?

Sidebar
Training während Corona: Wie halte ich Motivation und Spaß hoch?

Fast könnte man sagen, dass es zur Gewohnheit wird: das Rennen, auf das man sich seit Wochen oder Monaten vorbereitet, wird verschoben oder für dieses Jahr gänzlich abgesagt. „War ja klar, dann halt ab zum Nächsten“. Fühlt man in sich hinein und merkt die innere Zerrissenheit und Traurigkeit nach solchen Absagen, merkt man, dass man von Gewohnheit doch weit entfernt und schon gar nicht abgestumpft ist. Zu sehr hängt man an den Rennen und unserem gemeinsamen Hobby. Wie kann man es schaffen in diesen immer noch ungewissen Zeiten die Motivation aufrecht zu erhalten? Wie erfülle ich meinen Trainingsplan, wenn das nächste Ziel auf wackeligen Beinen steht? Wenn Inzidenzen steigen und Maßnahmen greifen? Ich versuche mich in diesem Blog an einer Einordnung und gebe Tipps, die zumindest mir in den letzten 18 Monaten geholfen haben. Vieles habe ich neu schätzen gelernt und nicht wenige Aspekte werde ich auch nach der Pandemie weiter führen.

© Marcel Hilger

Zeit für andere Ziele

Das ultimative Ziel sind Wettkämpfe, ganz klar! Das Gefühl einer Finish-Line, egal ob Ironman oder Challenge, Kurz- oder Langdistanz, ist einmalig. Kein DIY Rennen und keine Trainingseinheit kann dieses Gefühl ersetzen. Und dennoch wäre es in den letzten 18 Monaten eine Sackgasse gewesen, sich ausschließlich am nächsten Rennen zu motivieren. Für mich war es im Nachhinein unglaublich wichtig, mir andere Ziele zu stecken und andere Motivation im Sport zu suchen.

Mir gibt Sport und mein Trainingsplan eine gewisse Struktur und Sicherheit. Im Berufsleben trage ich viel Verantwortung und bin in vielen Bereichen mein eigener Chef. Da bestimme ich mein tägliches Handeln und das meiner Mitarbeiter. Der Trainingsplan hingegen wird mir vorgegeben. Hier muss ich mir keine Gedanken machen, kann Verantwortung abgeben und kann mich in stürmischen Zeiten von Einheit zu Einheit hangeln. Es ist wie eine To-Do Liste, die ich abhaken kann. Das gibt mir Kraft und Sicherheit.

Auf der anderen Seite habe ich mit Ausbruch der Pandemie ein Ziel gesetzt: ich möchte auf den Unterdistanzen schneller werden. Vor allem auf 10km wollte ich eine neue Bestzeit aufstellen – in dem Wissen, dass dieses Vorhaben auch während einer Pandemie in kleinem Rahmen möglich ist. Mit einer fünfköpfigen Trainingsgruppe oder auch nur mit meiner Freundin als Radbegleitung. Aus spezifischem Langdistanz Training wurde ein intensiveres Training. Immer in dem Wissen, dass mir die höhere Grundgeschwindigkeit gut tun würde, wenn die nächsten Langdistanzen anstehen würden.
Zu sehen, dass ich mich in den schnelleren Bereichen verbesserte und schließlich neue Bestzeiten aufstellte, war Motivation pur. (10km: 35:59 (Rennen) -> 33:19 (DIY und vermessen); HM: 1:17:40 (DIY, April 2020) -> 1:12:30 (DIY und vermessen).

DIY Rennen und Standortbestimmungen

Appropos DIY: mich haben diese selbst organisierten Rennen extrem motiviert. Persönlich habe ich mehrere Läufe auf Zeit gemacht – immer mit meiner Trainingsgruppe an der Seite. Auf diese Rennen haben wir hingefiebert, uns spezifisch vorbereitet und Bestzeiten aufgestellt. Aus Rennen, die auf der Kippe stehen, wurden kurzfristige Ziele, die das Training aufbrechen und neue Ziele ergeben. Außerdem haben wir einen Bike-Run Test inkl. Laktatmessung gemacht, um angestrebte Intensitäten zu validieren. Mal wieder im Race Setup zu fahren (Wettkampf Laufräder, Aero Helm, Einteiler, …) war einfach geil.

Für mich persönlich wäre ein ganzer DIY Triathlon nichts. Dafür sind Zeiten für mich nicht wirklich vergleichbar (andere Radstrecke, nicht vermessene Schwimmstrecke usw.). Beim Laufen sieht das anders aus und ist ohne viel Aufwand umsetzbar. Auch diesen Rhythmus möchte ich aufrecht erhalten und zukünftig in mein Training einbauen.

© Marcel Hilger

Zeit für Abenteuer

Etwas anderes, das mich in den Monaten motiviert hatte, waren neue Routen und Wege. Mit dem Crosser war ich off-road unterwegs, beim Laufen habe ich neue Strecken ausprobiert. Was ich noch nicht gemacht habe, sind mehrtägige Bikepacking-Touren. Auch hier möchte ich irgendwann aktiv werden.
Was ich sagen möchte: Die letzten Monate waren prädestiniert für neue Abenteuer. Mal weg vom sturen Trainingsplan oder einfach mal ohne Leistungsmesser fahren. Diese Einheiten machen nicht schlechter. Vielmehr lockern sie das Training auf, sorgen für mehr Abwechslung und einen klareren Kopf. Auch wenn die Pandemie hoffentlich bald vorbei sein sollte und Events wieder planmäßig durchgeführt werden können, möchte ich mir diese Einstellung im gesunden Rahmen beibehalten. Gerade wenn Rennen noch weit entfernt sind, können diese Einheiten langfristig Wunder bewirken.

Die richtige Trainingsgruppe

Ich habe das Glück einen Kreis von Athleten um mich herum zu haben, der mich motiviert und mitzieht. Auch wenn ich auf Grund der Entfernung Winterhude -> Altona nur gelegentlich mit den Jungs trainiere, ist die Kommunikation über WhattsApp unglaublich hilfreich und motivierend – von gemeinsamen Trainingseinheiten ganz zu schweigen.
Wenn man mal einen schlechten Tag hat und am liebsten alles hinschmeißen würde, weil wieder ein Rennen verlegt wurde, ist die Gruppe da. Mindestens einer ist immer motiviert, findet den richtigen Ton und zieht die Gruppe mit. Diese Dynamik ist unbezahlbar, selbst wenn der Großteil der Einheiten alleine stattfindet.

Abschließend kann ich festhalten, dass auch ohne festen Rennkalender Ziele möglich sind und der Spaß hochgehalten werden kann. Mit Spaß kommt Motivation und die sorgt im Gegenzug für gute Leistungen. Das bringt dann wieder Spaß und das Hamsterrad fängt sich an zu drehen.
In diesem Sinne hoffe ich, dass ihr gut durch die letzten Monate gekommen seid und voller Motivation in die nächsten Wochen und Monate blickt.

© Marcel Hilger

2. September 2021
Copyright © 2021 Trionik Multisport GmbH. All rights reserved.