Triathlon mit Babybauch: Leanas Tagebuch Pt.1

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Triathlon mit Babybauch: Leanas Tagebuch Pt.1
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Triathlon mit Babybauch: Leanas Tagebuch Pt.1

Heute starten wir mit einer Blog-Serie der etwas anderen Art. Léana, erfahrene Triathletin über alle Distanzen und Geschäftsführerin bei Trionik, erwartet ein Baby und möchte gern ihre Erfahrungen mit Läuferinnen und Triathletinnen, die bereits Mamas sind oder es werden möchten, teilen.
Ziel dieser Serie ist es auch, Eltern und werdende Mütter aus unserem Sport zu einem Erfahrungsaustausch zusammen zu bringen. Jeder Körper ist und reagiert anders, aber mit Sicherheit können werdende Mütter von den bisherigen Learnings an der ein oder anderen Stelle profitieren!


Im Herbst 2019 planen wir außerdem ein Treffen bei Trionik: Wir wollen alle Interessierte zum Thema Sport in der Schwangerschaft einladen, Euch informieren und uns austauschen. Es werden Mütter wie z.B. Bettina Hartwig, erfahrene Triathletin und 2-fache Mutter, auch aus Trainingswissenschaftler Perspektive berichten. Gern könnt Ihr Euch an Leana wenden, wenn Ihr Euch angesprochen fühlt und einen aktiven Part beitragen möchtet! Das geht entweder auf direktem Wege oder per Mail an leana@trionik.de.


Schwangerschaft das erste Drittel


Dienstag, der 16. April. Der Körper sendet Signale


Eine Laufeinheit auf meinem Programm: Wie immer trainiere ich nüchtern vor der Arbeit. Ich wollte gern 10 Mal einen leichten Anstieg mit Druck hochlaufen und jeweils locker zurück traben. Das ist abwechslungsreich und hoch effektiv. Doch als ich loslief und mich warmgemacht habe, stellte ich kurzfristig das Programm um. Mein Körper hat innerlich geschrien: „heute auf keinen Fall GA2 Läufe! Mach Mal einen lockeren Nüchternlauf.“ Brav habe ich meinem Körper zugehört und lief dann nur noch eine lockere Stadtparkrunde.


Am Abend nach der Arbeit ging ich dann schnell zur Apotheke, um mir einen Schwangerschaftstest zu besorgen, den ich am nächsten Morgen probieren wollte. Einen Tag wollte ich noch abwarten. Vielleicht kommt die Regel doch noch?


Mittwoch 17 April. Schwangerschaftstest positiv


Ich war sowas von glücklich! Dennoch hatte ich eine innere Bremse und erzählte die freudige Nachricht noch nicht meinem Mann, da ich die Befürchtung hatte, dass ich vielleicht zu den 1% der Frauen gehöre, bei denen der Test nicht zuverlässig ist. Also ging ich schnell zum Frauenarzt. Schwangerschaftstest Nummer zwei mit einem feinerem Verfahren. 5 Minuten später wurde ich im Labor aufgerufen. Ich starrte etwas orientierungslos auf diesen Bildschirm während mir die Labormitarbeiterin mitteilte, dass ich schwanger sei. ..schweigen.. „Freuen Sie sich?“, fragte sie anschließend. Ich: „JAAAA! Ich kann es nur noch nicht fassen..!“


Vorsichtige Freude


Schnell musste ich zur Arbeit. Auf dem Weg rief ich meinen Schatz an, um ihm mitzuteilen, dass wir ein Baby erwarten. Mir kamen sofort die Tränen hoch. Doch gleichzeitig machte sich ein komisches Gefühl breit, welches mich die ersten 12 Wochen begleitet hat: Vorsicht und Zurückhaltung in der Freude, da ich genau wusste, wie kritisch diese ersten 12 Wochen für die Gesundheit des Babys sind. /(Statistiken über Fehlgeburten in den ersten Wochen sind unfassbar negativ, auch wenn keine Frau darüber redet. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Körper in den ersten Wochen Antikörper gegen den eignen Fötus entwickelt, sind hoch.) Ich hatte Sorgen, mich zu früh zu freuen und blieb erst einmal sehr vorsichtig. Außer mein Mann wusste es keiner in unserer Familie oder im Freundeskreis.

Schwanger, und nun?


Auch wenn wir uns dieses Kind stark gewünscht haben, kam es doch sehr sehr schnell zustande und ich hatte mich gar nicht final vorbereitet. Nach 20 Jahren hormoneller Verhütung und meinem fortgeschrittenen Alter von 38 Jahren, hätte es auch länger dauern können, bis mein Körper wieder hormonell in der Lage ist, Schwager zu werden. Umso glücklicher sind wir natürlich.


Das erste Drittel der Schwangerschaft ist geprägt von einer kompletten Umstellung des Körpers und einhergehend mit viel Unsicherheit. Unterleib- und Rückenschmerzen, mehr oder weniger ausgeprägte Übelkeit, stark geschärfter Geruchssinn, extreme Müdigkeit und das permanente Verlangen nach Schlaf - vom schmerzhaften Ziehen in der Brust abgesehen.
Es ist ein wunder wozu unser Körper in der Lage ist: Auf einmal bildet sich ein komplett neues Organ im Bauch (die Plazenta), die das Kind versorgen wird und der ganze Körper stellt sich auf die Schwangerschaft um. Ich finde es schon ein großes Wunder der Natur.


Und wie ist es mit dem Sport?


Schon vor der Schwangerschaft habe ich versucht mich zu erkundigen, habe jedoch relativ wenig Publikationen zum Thema Triathlon und Schwangerschaft gefunden. Dies ist auch der Grund, warum ich diesen Blog schreibe. Ich möchte gern meine Erfahrungen weitergeben. Vielleicht ist die eine oder andere Triathletin auch bald in der Situation und freut sich über meinen Erfahrungsbericht.


Wer bis dahin kein Körpergefühl hatte, entwickelt spätestens jetzt eins


Ich habe schon immer ein Ohr für meinen Körper gehabt. In den letzten 15 Jahren des intensiven Triathlon-Trainings bin ich ohne große Verletzungen oder längere Pausen auf Grund von Krankheiten ausgekommen, was für mein sehr gutes Körpergefühl spricht. Ich habe gelernt, wann ich meinen Körper fordern darf und wann die Bremse gezogen werden muss. Allerdings ist dies in der Schwangerschaft noch einmal eine Nummer heftiger: Ich halte es immer noch für einen Wunder, täglich zu erleben, welche Signale mir mein Körper mitteilt.


Auf Grund der Müdigkeit und der starken Unterleibschmerzen, habe ich mich am Anfang der Schwangerschaft kaum getraut, mich sportlich zu betätigen. Ich war ab und zu schwimmen, locker joggen und Radfahren. Allerdings habe ich jede dieser Betätigungen mit stark angezogener Handbremse absolviert; aus Angst, etwas falsch zu machen und dem Kind zu schaden oder das Risiko einer Fehlgeburt zu erhöhen. Alle Ratschläge, die man dazu lesen kann, richten sich an eher unsportliche oder sportlich wenig aktive Frauen. Und da ich noch mit niemanden über die Schwangerschaft reden wollte und konnte, konnte ich auch nicht in meinem direkten Umfeld nachfragen. Das war eine unangenehme Zeit der Verunsicherung.


Die erste Ultraschalluntersuchung gibt Sicherheit


Der erste Kontrolltermin bei meiner Frauenärztin war großartig. Ich hatte den Termin in der 10. Woche. Mit dem Ultraschall wurde zum ersten Mal das Kind „besucht“. Zum ersten Mal haben wir unser Kind gesehen und das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Das Herz schlägt schon, es bewegt sich und die Ärztin sagte, dass alles in Ordnung sei. Die Erleichterung war riesig!


Ich hatte eine Palette voller Fragen, die ich loswerden konnte. Insbesondere zum Sport! Denn irgendwie habe ich mich ohne Training selbst nicht wohl gefühlt. Meine Ärztin betreut mich seit einigen Jahren und sie antwortete auf meine Frage ob Training in Ordnung sei: „unbedingt! Sie müssen sogar weiter trainieren! Ihr Körper kennt das seit vielen Jahren und braucht diese Bewegung, um sich wohl zu fühlen. Sie sollten jedoch nicht mit neuen Sportarten anfangen. Alles, was Sie vor der Schwangerschaft gemacht haben, dürfen Sie jetzt weiter machen, aber schalten Sie ein Paar Gänge runter. Alles etwas ruhiger. Also achten Sie auf den Puls; dieser darf nicht zu hoch gehen und achten Sie auf Ihr Körpergefühl. Es wird Tage geben, an denen es Ihnen sehr gut geht und andere, wo alles schwer fällt. Gönnen Sie sich dann die Ruhe, die Sie benötigen.“


Mit dieser Aussage konnte ich sehr viel anfangen und seitdem trainiere ich 4-5 Mal pro Woche das, was mir gerade gut tut und mir Spaß macht. Mit Sicherheit ist dies, was ich jetzt schreibe von Frau zu Frau anders und auch von Schwangerschaft zu Schwangerschaft individuell, aber dennoch wollte ich Euch meine Erfahrungen mitteilen.


Trainer, Pläne, Sportarten


Trainer/Trainerin: Falls Ihr einen Trainer habt, sollte dieser sehr schnell und im Vertrauen über die Schwangerschaft informiert sein. Das Training sollte unbedingt angepasst werden. Ich würde empfehlen, zu dem Zeitpunkt auch keinen Trainingsplan mehr schreiben zu lassen, sondern allgemeine Empfehlungen zu den Einheiten einzuholen und diese dann OHNE DRUCK und nach Eurem Körpergefühl in die Woche einzubauen. Schließlich muss auch der Alltag weiterhin bewältigt werden (Job, Familienplanung, Arztbesuche) und da sollte das Training auf keinen Fall stressen, sondern ein Ausgleich für Dich sein. Eine Zeit, in der Du es einfach genießt, etwas Positives für Dich und indirekt für Dein Baby zu tun.

Schwimmen: Es wird immer gesagt, es sei der perfekte Sport für Schwangere. Doch seitdem mein Geruchssinn so empfindlich geworden ist, halte ich es in der Halle mit stickigem Chlor- und (noch schlimmer) Pommes-Geruch nicht aus. Da wird mir sofort übel. Daher geht das Schwimmen für mich nur Outdoor im See oder im Freibad. Am Anfang hatte ich sogar Probleme mit der waagerechten Körperlage (Schwindelgefühl), dies ist jetzt aber weniger geworden. Die „Kurzatmigkeit“, die man in der Schwangerschaft verspürt ist im Wasser natürlich etwas ungünstig, weil man ja nicht immer atmen kann. Hier musste ich erst einmal akzeptieren, dass ich jetzt mit Handicap schwimme und es in Ordnung ist, einfach langsamer zu trainieren. Trotzdem fühle ich mich nach dem Schwimmen unfassbar gut und ausgeglichen. Ganz so wie es sein soll!


Bewegung an der frischen Luft (Radfahren & Laufen): Als niedrigpulsige Person mit niedrigem Blutdruck, ist Bewegung an der frischen Luft das beste gegen Schwindelanfälle und Kreislaufprobleme. Deshalb gehe ich aktuell am liebsten in den Stadtpark laufen, atme frischen Sauerstoff der Bäume ein und freue mich über die Bewegung und die Landschaft. Auch das Radfahren ist gerade großartig, jedoch aufgrund des Zeitaufwandes aktuell nur sonntags möglich. Wenn der Babybauch größer wird (letztes Drittel) werde ich auf das Outdoor Radfahren jedoch verzichten müssen, da die Sturzgefahr zu hoch ist.


Functional Training / Kraft & Stabis: Seit Oktober letzten Jahres trainiere ich in der BOX1 mit Stephan Pape. Das Training macht mir große Freude, weil es sehr abwechslungsreich ist und in allen Triathlon Disziplinen hilft stärker und stabiler zu werden. Mein Mann war anfangs komplett dagegen, dass ich das Training dort weiter fortsetze; aus Angst, dem Baby zu schaden. Doch auch hier gilt, was meine Frauenärztin sagt: Alles, was mein Körper kennt, kann ich mit geringerer Intensität weiter machen. Und so trainiere ich auch hier, immer meine Pulsuhr im Blick und vor allem mit „offenem Ohr“ für mein Körpergefühl für die Dosierung von Gewicht und Wiederholungen. Ich trainiere sehr kontrolliert und sauber ohne mich zu überfordern und ohne mich mit den anderen Teilnehmern zu vergleichen. Das Training bereitet meinen Körper auf die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft vor und macht weiterhin sehr viel Spaß.


Mit Sicherheit könnte ich meinen Körper hier und da etwas mehr fordern, aber warum? Ich bewege mich so, dass es mir gut tut und mir Spaß bringt. Ich habe kein Wettkampfziel und daher kann ich das auch völlig entspannt angehen. Ich bleibe in Bewegung und bald kommt noch schwangerschaftsspezifische Gymnastik dazu.


Mein nächster Ironman heißt Baby 1.0. Der Startschuss ist gefallen, der Zieleinlauf wird Ende Dezember/Anfang Januar sein und danach beginnt ein neues Leben. Wir lassen uns überraschen..!


Im Nächsten Blog berichte ich über das Befinden und die sportlichen Aktivitäten im zweiten Schwangerschaftsdrittel.
Habt Ihr Fragen? Gern gehe ich auch auf Eure Fragen ein, wenn ich sie beantworten kann.


Bis bald!
Eure Léana

25. September 2019
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