Triathlon mit Babybauch: Leanas Tagebuch Pt. 4

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Triathlon mit Babybauch: Leanas Tagebuch Pt. 4
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Triathlon mit Babybauch: Leanas Tagebuch Pt. 4

Im vierten Teil dieses Blogs berichte ich über meine Erfahrungen im 6. und 7. Schwangerschaftsmonat. Neben dem Training geht es vor allem um die so wichtige Einteilung der Kräfte, Vorbereitungskurse und dem zur Zeit vielleicht wichtigsten Aspekt: Entspannung! Außerdem habe ich noch einen tollen Buchtipp für euch!

Im 6. Monat: Körper und Seele setzen neue Grenzen

Es ist Anfang September und ich stehe kurz vor einem 10-tägigen Urlaub. Die Saison liegt fast hinter uns. Als Team im Laden haben wir wieder eine Menge erreicht, doch es gibt keine Zeit zum Ausruhen. Neue Projekte bestimmen den Rhythmus meines Arbeitsalltages, aber etwas ist jetzt völlig anders als sonst: Mein Körper setzt neue Grenzen. In mir wächst ein Wesen auf, das von meiner Energie eine ordentliche Portion abverlangt.

Für einen leistungsorientierten Menschen nicht einfach zu akzeptieren

Manchmal fühle ich mich so als wäre ich plötzlich zehn Jahre älter geworden. Die Energie reicht einfach nicht mehr, um 60 Stunden pro Woche zu arbeiten, nebenbei noch Energie für Familie, Freunde, Haushalt und den Sport bereitzustellen. Hinzu kommt der zunehmende Schlafmangel. Mein Körper hat mir ab dem 6. Monat neue Signale geschickt, die ich bisher noch nicht kannte. Ich wurde auf der linken Seite auf dem Ohr zwischendurch fast taub. Ein Alarmsignal, das mich sehr verunsichert hat. Ich habe mir direkt Hilfe bei meiner Hebamme geholt. Sie riet mir, maximal 40 Stunden inkl. Homeoffice zu arbeiten und mehr Ruhe im Alltag einzuplanen. Wie soll das gehen?

„Stelle Dir vor, DU bist das Wesen, welches in Deinem Körper wachsen möchte...“ Dieser Satz hat mich wach gerüttelt. Eigentlich klar, dass es bei so viel Aktivität und Leistungsdruck sehr anstrengend für mein Baby sein muss zu wachsen. Also ist es für uns beide jetzt von immenser Bedeutung, mehr Ruhe als bisher einzuplanen. Gesteckte Ziele korrigieren, mehr Aufgaben abgeben, Hilfe einfordern, neue Prioritäten setzen und „einfach“ umsetzen... das ist wirklich nicht einfach und ein Lernprozess, der Überwindung kostet. Aber es wirkt. Nach zwei Tagen der Umsetzung waren die Symptome weg. Ab und zu tauchen sie wieder auf, wenn ich zu wenig Pausen mache und dann weiß ich sofort, was zu tun ist.

Foto: Ina Rohden

Ich denke, dass mich mein Körper jetzt sehr gut darauf vorbereitet, was nach der Geburt auf mich zukommen wird. Da werde ich mich zu 100% dem Rhythmus meines Babys anpassen. Der Taktgeber in meinem Leben wird unser Nachwuchs sein und auch hier werde ich mir Hilfe einholen müssen, um alles unter einen Hut zu bekommen. Dann ist es schon einmal gut, es jetzt zu üben. Auch diese Learnigns sind wieder Erfahrungen, die bereichernd und faszinierend zugleich sind, da die Natur für alles schon eine Lösung und einen Plan hat.

Und das Training? Fühlt sich jetzt wie Wellness an

Das Laufen an der frischen Luft erfordert in der jetzt dunklen Jahreszeit - wie für alle anderen Sportler auch - etwas mehr Motivation als im Sommer. Aber das Gefühl, wenn die Muskulatur warm gelaufen ist und es einfach „läuft“, der Sauerstoff in meine Lunge eindringt, es mir einfach gut geht und nichts weh tut, gepaart mit der schönen Herbstlandschaft – das fühlt sich an wie Wellness, weil ich in dem Moment einfach nur etwas Gutes für Körper und Seele tue. Mein Baby wird geschaukelt, schläft und bekommt mit Sicherheit eine ordentliche Portion meiner Glückshormone ab. Diese Erlebnisse nehme ich immer intensiver wahr und sie sind durch nichts zu ersetzen. Ich genieße es einfach und bin dankbar, immer noch laufen zu können. Das Lauftraining beschränkt sich auf drei Einheiten pro Woche: 45-50 Minuten im GA1-Bereich reichen mir auch völlig aus. Länger möchte ich gar nicht mehr unterwegs sein.

Muskuläre Veränderungen und Entspannungstechniken

Durch die Gewichtszunahme in der Bauchregion merke ich im Alltag aber auch beim Laufen, dass der Rücken und alle Muskeln um das Becken herum stark arbeiten und stabilisieren müssen. Dies ist auch die neue Grenze, die ich beim Laufen erlebe. Es ist nicht der Puls, die Fitness oder die Kraft, sondern die muskuläre Anspannung, die mich davon abhält, länger oder häufiger zu laufen. Nach jedem Lauf plane ich 15-20 Minuten Yoga ein, um den Beckenbereich wieder zu entspannen, die Muskeln wieder weich und lang zu ziehen. Durch die tiefe Atemtechnik aus dem Yoga schärfe ich auch meine Wahrnehmung für den für die Geburt so relevanten Beckenbereich. Gerade Sportlerinnen müssen die Entspannungstechniken erlernen und üben, da wir dazu neigen, fest und angespannt zu sein. Am besten hilft mir dabei Yoga an einem ruhigen dunklen Ort, ohne Ablenkung und Reize wie Telefon, Gespräche, TV oder Ähnlichem.

Foto: Ina Rohden

Der Schwimmanteil wächst stetig

Im Wasser fühle ich mich mit zunehmender Schwangerschaft immer wohler. Mein Körpergewicht wird getragen, meine Beine erfahren eine Massage, das Rauschen des Wassers entspannt mich total. Nach dem Schwimmen genieße ich die warme Dusche oder, wenn das Bad es erlaubt, 10 Minuten das warme Thermenwasser zum Entspannen zu nutzen. Das tut der Rückenmuskulatur, die im Alltag viel mehr als sonst tragen muss, sehr gut. Ich nehme mir immer einen Schwimmplan vor (ca. 2-2,5km), aber setze mich nicht mit Zeiten und Pausen unter Druck. Manchmal läuft es einfach von selbst, manchmal bin ich kurzatmiger und brauche längere Pausen, die ich dann nach Gefühl anpasse.

Insgesamt gehe ich jetzt häufiger schwimmen und ich kann mir gut vorstellen, dass es auch bald mein einziger Sport wird, wenn das Laufen nicht mehr geht – wer weiß, ob diese Phase kommt... Rücken- und Kraullage sind sehr wohltuend. Brust und Delphin vermeide ich, da sich die Bewegung im unteren Rücken nicht richtig anfühlt. Etwas anstrengend wird es, wenn die Schwimmbahn voll ist. Vor allem mit rücksichtslosen Schwimmern, die mir nicht ansehen, dass ich schwanger bin, da ich immer noch an denen vorbeiziehe wie ein Fisch. ;-) Ich habe dann etwas Sorge, einen Tritt in den Bauch zu bekommen und wechsle dann lieber die Bahn.

Geburtsvorbereitungskurs – Hilfe, bin ich hier richtig?

All diese Kurse, die vor, während und nach der Schwangerschaft angeboten werden, sind sehr verwirrend. Das Angebot ist unfassbar groß und es ist schwer zu
verstehen, was man davon braucht und was nicht. Daher bin ich hier dem Rat meiner erfahrenen Hebamme gefolgt, ohne andere Kurse zu suchen. Ich habe einen klassischen Vorbereitungskurs als Wochenend-Intensivkurs gemacht, der für Paare gedacht war. Zuerst hatte ich ehrlich gesagt wenig Lust dort hinzugehen, zumal ich mir nicht vorstellen konnte, was an zwei vollen Tagen (Samstag und Sonntag 10-16:30 Uhr) mit uns gemacht werden sollte. „Ich bin doch die ganze Zeit so entspannt und habe keine Lust, mich wegen der Geburt verrückt machen zu lassen“.

Der Kurs war schließlich sehr gut gestaltet und umgesetzt worden. Alle Inhalte waren relevant und sehr informativ. Es ging auch viel um die Bedürfnisse der Kinder im Säuglingsalter und diese Inhalte haben mir weitergeholfen. Allerdings waren die Teilnehmer weit weg von meiner Wellenlänge und auch von der meines Mannes. Wir sportliche Frauen ticken doch ganz schön anders und das ist auch gut so.

Auf die zweite Empfehlung meiner Hebamme freue ich mich richtig. Bald geht der „Hypnose Geburtsvorbereitungskurs“ los. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich eine Geburt mit einer guten mentalen Vorbereitung viel besser erleben lässt und schöner in Erinnerung bleibt als mit den klassischen Methoden, die im Krankenhaus angeboten werden.

Viel hilft viel. Nicht immer!

Empfehlungen für Kurse, Bücher, Wahl des Geburtsortes, Einkaufslisten etc. sind extrem individuelle Angelegenheiten. Es ist wichtig, dass sich Schwangere einfach wohl fühlen mit dem, was sie tun und wofür sie sich entscheiden. Mir wurden am Anfang der Schwangerschaft viele Bücher ausgeliehen. Darin wurden neben den Entwicklungen, die Woche für Woche im Körper geschehen, viele Kapitel den möglichen Beschwerden, Risiken und Krankheiten gewidmet. Das war mir einfach zu negativ und ich habe die Bücher zur Seite gelegt. Wenn ich Euch ein Buch empfehlen kann, dann ist es dieses hier: „artgerecht - das andere Baby-Buch“ von Nicola Schmidt. Das Buch geht auf unsere natürlichen Bedürfnisse ein (vs. die industrialisierte Welt), wie wir als Menschen zur Welt kommen und aufwachsen. Denn unsere Bedürfnisse stammen noch aus der Steinzeit und haben nichts mit der Konsumwelt zu tun, die uns in den Medien vorgegaukelt wird.

Herzlichst,
Eure Léana

Vorschau Blog Part 5: Auf geht’s in den 8. Monat - der Endspurt naht!

6. Dezember 2019
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