Triathlon mit Babybauch: Leanas Tagebuch Pt.3

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Triathlon mit Babybauch: Leanas Tagebuch Pt.3
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Triathlon mit Babybauch: Leanas Tagebuch Pt.3

Im dritten Teil dieser Serie berichtet Geschäftsführerin Leana Helbig, was sich im 5. und 6. Monat getan hat, wie sich ihr Körpergefühl verändert hat und wie ihr Sportprogramm aussieht. Außerdem hält sie interessante Einblicke der Leistungsdiagnostik parat. Kennst Du die ersten beiden Teile noch nicht? Dann schnell nachgelesen: Teil 1 & Teil 2.


Die Aussagen schwanken zwischen: „Man sieht ja gar nichts“ bis hin zu „oh jetzt kann man zusehen wie der Bauch wächst“


Seit Mitte des 5. Monats spüre ich täglich das zunehmende Gewicht und die Verlagerung meines Körperschwerpunktes. Doch von außen sieht nicht jeder, dass ich schwanger bin. Manchmal habe ich mir in dieser Phase sogar gewünscht, schon im 8. Monat zu sein, damit ich nicht jedem erklären muss, warum ich diesen einen schweren Karton jetzt nicht heben kann…
Menschen, die mich nicht kennen oder selten sehen, sehen mir die Schwangerschaft häufig noch nicht an, wohingegen Kollegen und mein familiäres Umfeld regelrecht dabei zusehen können, wie sich der Bauch nach vorne dehnt. Auch meine Körperhaltung, mein Gang etc. haben sich sichtlich verändert.


Am Anfang des 6. Monats war ich zum ersten Mal in der Schwangerschaft für mich shoppen und seitdem fühle ich mich wohler in Klamotten, da sie mehr Platz im unteren Bauch und Oberkörper bieten. Herrlich. Ich bin auch ein bisschen stolz so lange nicht zugeschlagen zu haben. Denn es macht aus meiner Sicht keinen Sinn, die ganze Garderobe für nur noch 3 Monate zu wechseln. Die Oberteile der Sportsachen trage ich einfach eine Nummer größer als sonst; die Hosen, die tief geschnitten sind, passen alle noch.

Kraft und Stabilisationstraining. Foto: Ina Rohden

Mein Alltag bleibt sportlich

Meine sportlichen Aktivitäten bleiben weiterhin konstant. Ich gehe drei Mal die Woche laufen (nur Ga1 30-50min), einmal Schwimmen und Radfahren und absolviere zwei Kraft/Stabi-Einheiten. Bei allen Aktivitäten merke ich vor allem die Gewichtszunahme von mittlerweile 6kg. Insbesondere beim Laufen merke ich, dass meine Füße und Beine um ein Vielfaches mehr tragen und bewegen müssen als sonst.


Ich bin einfach so dankbar, dass ich weiterhin Sport machen kann und dass es mir dabei so gut geht. Oft stelle ich mir vor, was das Kind denkt oder gerade macht, wenn ich mich bewege. Ich spüre immer mehr Bewegungen und gerade, wenn ich ruhig bin, dreht das Kind in meinem Bauch so richtig ab. Es schlägt Purzelbäume und ich spüre Tritte an der Bauchdecke – das ist sehr lustig und ein wundervolles Gefühl.


Leistungsdiagnostik in der Schwangerschaft – hilfreiche Aufschlüsse

Trotz meines guten Körpergefühls und aller Aussagen von Ärzten, Physiotherapeuten, Trainern und sportlichen Müttern, möchte ich mehr wissen als nur der die Standard Aussage: „Mache alles nach Gefühl und höre auf Deinen Körper.“


Mich interessiert es brennend, ob die Schwangerschaft an sich verbunden mit allen hormonellen Umstellungen und mit der Tatsache, dass mein Körper zwei Menschen versorgen muss, einen Einfluss auf den Stoffwechsel hat. Und es interessiert mich, ob ich mich an die Pulswerte von vor der Schwangerschaft richten kann, wenn es darum geht, „den Puls nicht zu hoch zu treiben“. Eine Aussage, die man auch überall lesen und hören kann. Doch was ist „zu hoch?“. Frau solle auch nicht „zu lange nüchtern trainieren“. Doch wie lange ist für mich „zu lange“ und kann ich mich als langjährige Triathletin, die zuletzt 2 Jahre voll im Ironman Training war mit anderen Frauen überhaupt vergleichen? Merkwürdigerweise habe ich dazu auch keinerlei Literatur gefunden.

Die Läufe (30-50min) finden alle im GA1 Bereich statt. Foto: Ina Rohden

Daher beschließe ich, nach einem intensivem Beratungsgespräch mit Sebastian Rosenkranz von der Bewegungsschmiede Hamburg, eine Leistungsdiagnostik mit Stufentest auf dem Laufband mit Spiroergometrie durchzuführen. So lange ich laufen kann, sollte ich dies ausnutzen. Natürlich werden wir keinen Maximaltest machen, aber den brauchen wir auch nicht um die Trainingsbereiche einzugrenzen. Der Test fand am 23. August morgens nüchtern statt. Wir haben diesen Zeitpunkt und den Zustand mit Bedacht ausgewählt, da ich üblicherweise morgens nüchtern laufen gehe.


Der Stoffwechsel funktioniert noch immer

Das Ergebnis überrascht mich sehr. Die Werte spiegeln eine ganz normale Kurve ab. Ganz normal bedeutet, dass meine Leistung aktuell einfach nur ein Spiegel dessen ist, was ich die vergangenen 6-9 Monate trainiert habe, nämlich deutlich geringere Umfänge und meist nur im GA1 Bereich. Würde ein Außenstehender auf die Kurve schauen, hätte dieser keinen Hinweis darauf, dass ich schwanger bin und dass dadurch etwas anders läuft. Im Vergleich zur letzten Messung aus 2018, in einem Zeitraum, indem ich voll im Ironman Training war, verschiebt sich einfach nur die Kurve um zwei Tempo-Stufen nach hinten. Das bedeutet, dass ich beispielsweise bei einem Puls von 140 Schlägen pro Minute vor 1,5 Jahren schneller war. Mein Fettstoffwechsel ist nach wie vor sehr gut ausgeprägt, so dass ich ohne mich oder das Kind zu gefährden bis 90 Minuten nüchtern unterwegs sein kann. Und wenn mir danach ist, kann ich im Dauerlauf auch Mal einen Gang zulegen und den Puls bis 160 Schläge treiben, ohne dass es negative Einflüsse hat.

Energiestoffwechsel im 5. Monat der Schwangerschaft

Siehe den ausführlichen Bericht im Anhang.


Mir gibt diese Leistungsdiagnostik extrem viel Sicherheit. Ich weiß, wie ich meinen Puls interpretieren und auch wie lange ich nüchtern unterwegs sein kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, ein Risiko für das Kind einzugehen. So lange mechanisch alles gut funktioniert und ich keine Schmerzen im Unterleib oder zu sehr in den Gelenken verspüre, habe ich sehr wertvolle Erkenntnisse gewonnen.


Ende des 5.- Monats: die letzte Radtour draußen

Am 1. September hatten wir unseren Hochzeitstag und das Wetter war so schön, dass wir uns eine schöne Rennradtour vorgenommen hatten. Wie lange wir an dem Tag fahren wollten, war noch unklar, da wir erst Mal abwarten wollten, wie es mir ergeht. Am Ende waren es rund 84km und 3std und 15min. Danach war ich einfach nur heilfroh ohne Unfall zu Hause angekommen zu sein. Ohne Unfall? Ich hatte noch nie einen Radunfall…. Aber diese Tour war für mich die letzte draußen vor der Entbindung.


Der Puls war unten, aber die Beine fühlten sich so mau an und die ganze Tour war sehr anstrengend. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass mein Herz doppelt pumpen muss: Zum einen für das Baby und zum anderen weil ich Ängste hatte, die völlig neu für mich waren. Bei fast jedem Überholvorgang auf der Straße habe ich mich erschrocken. Es ist echt verrückt, was die Mutterinstinkte mit mir machen. ☺ Ich finde das so unfassbar positiv, wie sich der Körper und die Seele auf die neue Lebensherausforderung einstellen und welche Signale bei mir ankommen. Radfahren im 6. Monat ist einfach aufgrund der Sturzgefahr ein echtes Risiko für werdende Mamas. Das war für mich die letzte Tour und nun steige ich auf die Rolle um, wenn ich Lust auf Radfahren bekomme…


Athletiktraining & Stabi: das Training wird spezifischer

Auch beim Thema Athletik und Stabi-Training habe ich mich im 5. Monat immer mehr mit spezifischem Training für Schwangere beschäftigt. Durch die Gewichtszunahme des Bauches verlagert sich der Körperschwerpunkt nach vorn und der Rücken muss viel mehr leisten als vorher. Dieser Effekt verstärkt sich im Verlauf der Schwangerschaft mit zunehmendem Bauch und lässt nach der Geburt auch nicht nach, da wir Mütter dann das Baby im Tragetuch tragen wollen. Deshalb sind Rückenbeschwerden auch eine sehr häufige Begleiterscheinung in der Schwangerschaft. Die gute Nachricht: man kann sehr viel dagegen tun.


Ein weiterer Aspekt der Veränderung liegt in der Bauchmuskulatur. Bis zur 20. Schwangerschaftswoche können noch die geraden Bauchmuskeln trainiert werden, danach sollte ein dynamisches Training vermieden werden, da ab dieser Hälfte der Schwangerschaft die gerade Bauchmuskulatur dem wachsenden Babybauch den nötigen Platz gibt und leicht auseinander weicht. Daher sind ab dem Zeitpunkt Übungen wie Sit-Ups tabu. Erlaubt sind allerdings statische Übungen wie Planks, da sich diese kontrolliert und ruhig ausüben lassen und zusätzlich werden bei statischen Übungen oft mehrere Muskelgruppen gleichzeitig beansprucht, die man sonst separat trainieren müsste. Die seitliche Muskulatur darf und sollte weiterhin trainiert werden – mit seitlichen Planks oder auch der Übung „Russian Twist“. Die seitliche Bauchmuskulatur zu stärken hilft, dem wachsenden Babybauch genug Stabilität zu bieten und beugt Rückenschmerzen vor.


Ich lerne ganz neue Muskelgruppen kennen

Um dies alles heraus zu finden, treffe ich mich mit einer Physiotherapeutin, die selbst Triathletin ist und viel Erfahrung mit Schwangeren hat. Sie rät mir: „Vorbei mit dem Training der großen Muskelgruppen.“ Jetzt geht es darum, spezifischer die Tiefenmuskulatur um die Gebärmutter herum zu stärken, die sogenannten Rumpfkapseln: Rücken, seitliche Bauchmuskulatur, Beckenboden. Ich lerne neue Übungen, die es massiv in sich haben und diese Muskulatur anspricht, wie ich sie sonst nie trainiert habe. Die ersten Übungen dienen zu aller erst der Wahrnehmung dieser Tiefenmuskulatur. Dies ist zu Beginn nicht einfach, aber nach dem dritten Training kann ich sie ganz gezielt ansteuern. Super spannend, was ich nach 15 Jahren Triathlontraining noch alles lerne. Ich bin mir sicher, dass diese Übungen Läufer im Allgemeinen stärker macht. Also auch für Nicht-Mütter und Männer spannend…


Ich bin im Moment dankbar für alle diese Trainingsmöglichkeiten und dass ich nach wie vor keine Beschwerden habe. Eine Schwangerschaft ist ein komplett neuer körperlicher und seelischer Zustand, der unfassbar spannend ist und auf den sich Frau einstellen muss. Die Schwangerschaft ist keinesfalls eine Einschränkung im Leben – wie leider viele denken. Den Spruch „ich bin schwanger und nicht krank“ sollten sich viele Frauen hinter die Ohren schreiben und die Männer sollten dies auch verstehen. Eine Schwangerschaft ist eine echte Bereicherung! So empfinde ich das.

Hier gibt es die gesamte Leistungsdiagnostik zum Einsehen. Die Leistungsdiagnostik hat uns Sebastian Rosenkranz von JES Die Bewegungsschmiede zur Verfügung gestellt. Einfach auf das Bild klicken:

20. November 2019
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